Digitalität | Daten | Deutungen. Zukünfte der Medienpädagogik. Themenheft zur Jahrestagung der Fachgruppe Medienpädagogik der DGPuK in Vechta 2024

Herausgegeben von Ada Fehr1, Jessica Kühn2, Julia Schreiber-Kehrhahn3 und Annekatrin Bock3

1 Pädagogische Hochschule Schaffhausen

2 LMU München

3 Universität Vechta

Bitte reichen Sie Ihr Abstract bis zum 28. März 2025 unter https://www.medienpaed.com/about/submissions ein. Dort finden sie auch Hinweise zur formalen Gestaltung.
Call for Papers als PDF

Thema

Digitalität, Daten und ihre Deutungen prägen gesellschaftliche Entwicklungen in vielfältiger Weise und fordern Wissenschaft und Praxis gleichermassen heraus. Medienpädagogische Forschung steht dabei im Spannungsfeld von technischen Innovationen, gesellschaftlichen Transformationsprozessen und bildungspolitischen Entwicklungen. Der rapide Entwicklungsrhythmus neuer Technologien führt zu wiederkehrenden öffentlichen Debatten über Chancen und Risiken digitaler Medien, während Akteur:innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ihre Visionen und Erwartungen an zukünftige Bildungsprozesse formulieren (Allert et al. 2018; Bock et al. 2023; Dander et al. 2020; Decuypere et al. 2021; Schäfer und Wessler 2020; Troeger und Bock 2022).

Vor diesem Hintergrund ist es konsensfähig, dass Kompetenzen im Umgang mit Medien neu gedacht werden müssen und es die Wirkmacht digitaler Technologien zu erforschen gilt. Dennoch konzentriert sich der Diskurs häufig auf Technologienutzung und Bedienkompetenzen, während medienpädagogische Forschung zu Transformationsprozessen in Medienbildungskontexten oft unberücksichtigt bleibt – obwohl sie einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Diskussion und Medienbildungspraxis leisten kann (Burgfeld-Meise 2020; Proske et al. 2023; Wolf et al. 2021). So beobachten Forschende unter anderem eine zunehmende Entgrenzung formaler und familiärer Medienerziehung (Riesmeyer et al. 2019a; Wiesemann und Fürtig 2018; Naab 2019; Eggert et al. 2021), untersuchen das Verhältnis Heranwachsender zu Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (Cousseran et al. 2023; Pfaff-Rüdiger et al. 2022) sowie verschiedene Aspekte von Medienkompetenz (Riesmeyer et al. 2019b; Wendt et al. 2023). Ebenso relevant ist die Bedeutung digitaler Medien für die Identitätsentwicklung und Sozialität (Seiffge-Krenke 2012; Stalder 2016). Diese vielfältigen Perspektiven zeigen, dass medienpädagogische Forschung weit über die reine Vermittlung von Bedienkompetenzen hinausgehen und kritisch-reflexive Ansätze zur Gestaltung der digitalen Gesellschaft entwickeln muss.

Beiträge

Mit dem Themenheft «Digitalität | Daten | Deutungen. Zukünfte der Medienpädagogik» laden wir anknüpfend an die gleichnamige Tagung der Fachgruppe Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) im Oktober 2024 an der Universität Vechta dazu ein, sich im Kontext digitaler Transformation mit medienpädagogischen Themenfeldern wie den folgenden auseinanderzusetzen und zu reflektieren, welche Impulse die Medienpädagogik setzen kann und muss, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. Ziel ist es, die Diskussionen und Forschungsergebnisse der Tagung zu dokumentieren und weiterzuführen. Wir freuen uns auf theoretische, empirische und praxisorientierte Beiträge, die sich mit medienpädagogischen Fragen im Kontext digitaler Transformation auseinandersetzen und/oder methodische bzw. theoretische Perspektiven im skizzierten Themenfeld adressieren:

  • Digitale Kultur und Digitalität: u. a. digitale Jugendkultur und Identitätsbildung, familiäre Medienerziehung bzw. Medienerziehungsstrategien (in Bezug auf digitale Medien), Aneignungspraxis digitaler Medien in verschiedenen Altersgruppen, Gestaltung pädagogischer Beziehungen in digitalen Lehr-Lern-Prozessen.
  • Bildungspraxis und -strategien in Bezug auf digitale Medien: u. a. Verhältnis von schulischer und ausserschulischer Medienbildung und potentielle Veränderungen durch Digitalisierung, theoretische Modelle und methodische Ansätze zur Integration von (digitaler) Medienbildung, digital unterstützte Lernprozesse.
  • Digitale Technologie im Bildungskontext: u. a. Learning Analytics und ihre Auswirkungen auf das Lernen sowie die Rolle von digitalen Medien in (persönlichen) Lernumgebungen.
  • Datafizierung und Medienpädagogik: u. a. das Verhältnis von Mensch und Maschine, Critical EdTech Studies, Frage der Souveränität in virtuellen Handlungswelten, Datenschutz, Plattformisierung und Ökonomisierung von Medienerziehung, Datafizierung und Algorithmisierung und ihre ethischen Implikationen.
  • Politische Bildung in virtuellen Handlungswelten: u. a. Medienkompetenzforschung, Analyse radikaler Rekrutierungsstrategien, digitale Extremismusprävention, gesellschaftliche Integration mit und in digitalen Medien, Migrationsforschung.
Beitragsformate und Einreichung

Die Beiträge der Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Medienpädagogik in Vechta 2024 formieren den Tagungsband. Zu diesem Call sind Autor:innen eingeladen, deren Beiträge auf Einreichungen zur Tagung «Digitalität | Daten | Deutungen. Zukünfte der Medienpädagogik» im Oktober 2024 aufbauen.

Wir bitten die Referent:innen der Tagung, ein an den CfP angepasstes Abstract (max. 500 Wörter exkl. Literaturangaben, PDF-Dokument) für den geplanten Beitrag bis zum 28. März 2025 über die Plattform der Zeitschrift MedienPädagogik einzureichen: https://www.medienpaed.com/about/submissions. Die nach Sichtung der Abstracts angefragten Autor:innen werden gebeten, ihre Volltexte bis zum 30. Juni 2025 einzureichen.

Es können Langbeiträge (max. 40.000 Zeichen inkl. Leerzeichen, ohne Abstract und Literaturverzeichnis) eingereicht werden. Beachten Sie die Hinweise zur Manuskripteingabe. Bei den eingereichten Texten (in Deutsch oder Englisch) muss es sich um Originalbeiträge beziehungsweise Erstveröffentlichungen handeln. Ein Abstract von 150–200 Wörtern fasst die zentralen Aussagen und Ergebnisse kurz zusammen. Sowohl Titel als auch Abstract des Beitrags müssen in deutscher und englischer Sprache vorliegen. Die Rechte bleiben bei den Autor:innen (CC-BY 4.0 intl.).

Die Beiträge werden durch ein Peer-Review begutachtet. Sofern keine (grundlegenden) Überarbeitungen notwendig sind, können die Texte zeitnah nach Annahme veröffentlicht werden.

Wichtige Daten

Zeitraum für Einreichung der aktualisierten Abstracts:

bis 28. März 2025

Zeitraum für Einreichung der Volltexte:

bis 30. Juni 2025

Rückmeldung an die Einreichenden:

bis 1. September 2025

Überarbeitung der Beiträge:

bis 1. Oktober 2025

Editing und Proofing:

bis Ende 2025

Herausgeberinnen

Bei Rückfragen melden Sie sich gerne bei den Herausgeberinnen.

Literatur

Allert, Heidrun, Michael Asmussen, und Christoph Richter. 2018. «Formen von Subjektivierung und Unbestimmtheit im Umgang mit datengetriebenen Lerntechnologien – eine praxistheoretische Position». Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 21 (1): 142–58. https://doi.org/10.1007/s11618-017-0778-7.

Bock, Annekatrin, Andreas Breiter, Sigrid Hartong, Juliane Jarke, Sieglinde Jornitz, Angelina Lange, und Felicitas Macgilchrist, Hrsg. 2023. Die datafizierte Schule. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-38651-1.

Burgfeld-Meise, Bianca. 2020. «(Medien-)Bildungskulturen im Wandel: Digitalisierung als Katalysator für veränderte Wissenszirkulationen». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 37 (Juli):67–83. https://doi.org/10.21240/mpaed/37/2020.07.04.X.

Cousseran, Laura, Achim Lauber, Simon Herrmann, und Niels Brüggen. 2023. Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2023. Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI. Herausgegeben von JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München: kopaed. https://doi.org/10.5281/ZENODO.10058588.

Dander, Valentin, Patrick Bettinger, Estella Ferraro, Christian Leineweber, und Klaus Rummler, Hrsg. 2020. Digitalisierung – Subjekt – Bildung. Kritische Betrachtungen der digitalen Transformation. Leverkusen-Opladen: Verlag Barbara Budrich. https://doi.org/10.2307/j.ctvvb7n3h.4.

Decuypere, Mathias, Emiliano Grimaldi, und Paolo Landri. 2021. «Introduction: Critical Studies of Digital Education Platforms». Critical Studies in Education 62 (1): 1–16. https://doi.org/10.1080/17508487.2020.1866050.

Eggert, Susanne, Andreas Oberlinner, Senta Pfaff-Rüdiger, und Andrea Drexl. 2021. Familie digital gestalten: FaMeMo – eine Langzeitstudie zur Bedeutung digitaler Medien in Familien mit jungen Kindern. München: kopaed.

Naab, Thorsten. 2019. «Parents’ online self-disclosure and parental social media trusteeship: How parents manage the digital identity of their children». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 35 (Oktober):97–115. https://doi.org/10.21240/mpaed/35/2019.10.21.X.

Pfaff-Rüdiger, Senta, Simon Herrmann, Laura Cousseran, und Niels Brüggen. 2022. Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2022. Wissen und Handeln im Kontext von KI. Herausgegeben von JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München: kopaed. https://doi.org/10.5281/ZENODO.6668913.

Proske, Matthias, Kerstin Rabenstein, Anna Moldenhauer, Sven Thiersch, Annekathrin Bock, Matthias Herrle, Markus Hoffmann, u. a., Hrsg. 2023. Schule und Unterricht im digitalen Wandel. Ansätze und Erträge rekonstruktiver Forschung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. https://doi.org/10.35468/5992.

Riesmeyer, Claudia, Bernadette Abel, und Annika Großmann. 2019. «The family rules. The influence of parenting styles on adolescents’ media literacy». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 35 (Oktober):74–96. https://doi.org/10.21240/mpaed/35/2019.10.20.X.

Riesmeyer, Claudia, Thorsten Naab, Anne-Linda Camerini, Ruth Festl, und Christine Dallmann. 2019. «Editorial: Media literacy as intergenerational project: skills, norms, and mediation». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 35 (Oktober):i–vi. https://doi.org/10.21240/mpaed/35/2019.10.15.X.

Schäfer, Mike S., und Hartmut Wessler. 2020. «Öffentliche Kommunikation in Zeiten künstlicher Intelligenz: Warum und wie die Kommunikationswissenschaft Licht in die Black Box soziotechnischer Innovationen bringen sollte». Publizistik 65 (3): 307–31. https://doi.org/10.1007/s11616-020-00592-6.

Seiffge-Krenke, Inge. 2021. Die Jugendlichen und ihre Suche nach dem neuen Ich: Identitätsentwicklung in der Adoleszenz. Herausgegeben von Rolf Göppel. 2. Aufl. Stuttgart: W. Kohlhammer. https://doi.org/10.17433/978-3-17-041753-3.

Troeger, Jasmin, und Annekatrin Bock. 2022. «The sociotechnical walkthrough – a methodological approach for platform studies». Studies in Communication Sciences 22 (1). https://doi.org/10.24434/j.scoms.2022.01.3064.

Wendt, Ruth, Brigitte Naderer, Marko Bachl, und Diana Rieger. 2023. «Social Media Literacy Among Adolescents and Young Adults: Results From a Cross-Country Validation Study». Social Media + Society 9 (4): 20563051231216965. https://doi.org/10.1177/20563051231216965.

Wiesemann, Jutta, und Inka Fürtig. 2018. «Kindheit zwischen Smartphone und pädagogischem Schulalltag». In Institutionalisierungen von Kindheit: childhood studies zwischen Soziologie und Erziehungswissenschaft, herausgegeben von Tanja Betz, Sabine Bollig, Magdalena Joos, und Sascha Neumann, 196–212. Kindheiten. Weinheim: Belz Juventa.

Wolf, Karsten D., Klaus Rummler, Patrick Bettinger, und Sandra Aßmann. 2021. «Editorial: Medienpädagogik in Zeiten einer tiefgreifenden Mediatisierung». In Medienpädagogik in Zeiten einer tiefgreifenden Mediatisierung, herausgegeben von Karsten D. Wolf, Klaus Rummler, Bettinger, Patrick, und Sandra Aßmann, 16:i–xiii. Jahrbuch Medienpädagogik. Zürich: OAPublishing Collective. https://doi.org/10.21240/mpaed/jb16/2021.06.10.X.