Zum Zusammenwirken von Forschung und Praxis. Kooperative Handlungspraktiken im Kontext digitaler Bildungsprojekte

Herausgegeben von Anna Heinemann, Lisa Birnbaum, Benjamin Jörissen, Stephan Kröner, Jens Leber, Friederike Schmiedl und Michael Kerres

Bitte reichen Sie Ihr Abstract bis zum 13. Juli 2025 unter https://www.medienpaed.com/about/submissions ein. Dort finden sie auch Hinweise zur formalen Gestaltung.
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Thema

Das Schlagwort ‹Digitalisierung› verweist auf grundlegende Herausforderungen für die verschiedenen Facetten von Bildung, die dazu geführt haben, dass sich die Bildungspraxis ebenso wie die Bildungsforschung intensiv mit den Implikationen des Digitalen beschäftigen (Jörissen et al. 2022; Kerres 2022). Die Akteursgruppen in Bildungsforschung, -praxis und anderen Bereichen verfügen über Wissenssysteme, die mit unterschiedlichen Handlungspraktiken und –logiken einhergehen (Hartmann und Kunter 2022; Farley-Ripple et al. 2018) und es stellt sich die Frage, wie diese Akteure zusammenwirken (können), um die genannten Herausforderungen zu bearbeiten.

Bildungsforschende verfolgen im Rahmen des Digitalisierungsdiskurses teilweise das Anliegen, die Relevanz einer eigenständigen Bearbeitung ihrer Forschungsfragen – als Teil des Wissenschaftssystems – (selbstreferentiell) zu thematisieren (Grünberg und Lange 2025). Zunehmend wächst aber die politische und gesellschaftliche Erwartung, diesen Transformationsprozessen, etwa in Förderprojekten mit gemischten Akteurskonstellationen, gemeinsam gestaltend zu begegnen (OECD 2022; BMBF 2018). Insofern erscheint es wichtig darüber nachzudenken, wie die Schnittstelle zwischen Bildungsforschung und –praxis für die beteiligten Akteure vorteilhaft ausgestaltet werden kann und wo die Grenzen dieser Zusammenarbeit liegen.

Das Zusammenwirken der Akteure aus Forschung und Praxis kann ganz unterschiedlich angelegt sein: Es kann darin bestehen, Entwicklungen und Erkenntnisse aus Forschungsprojekten der Praxis zur Verfügung zu stellen und zu disseminieren oder mit der Praxis zu diskutieren. Der Aufbereitung von Forschungsergebnissen in der Wissenschaftskommunikation kommt dabei eine grosse Bedeutung zu. Gleichwohl wird aktuell besonders über Formen des Zusammenwirkens nachgedacht, die stärker auf dialogische oder diskursive Praktiken ausgerichtet sind (Kerres, Sander, und Waffner 2022). Auch rücken intermediäre Akteure in den Blick, die zwischen Bildungsforschung und –praxis vermittelnd tätig sind (Cooper 2014; Ghadiri-Mohajerzad, und Schrader 2024). Schliesslich geraten auch solche Konstellationen verstärkt in den Blick, in denen technologische, ökologische und räumlich-materielle Akteure nicht nur als Bedingungen, sondern als Beteiligte adressiert werden (Bettinger und Jörissen 2022; Macgilchrist et al. 2024). Die Diskussion über Forschungsansätze wie Design-Based-Research, partizipative Entwicklungsarbeit oder modellhafte Partnerschaften zwischen Forschungseinrichtungen, Bildungsträgern und Akteursgruppen aus der Technologieentwicklung verweisen auf ein wachsendes Feld entsprechender Praktiken und neuer Akteurskonstellationen (z. B. Cooper, MacGregor, und Shewchuk 2021; Endberg, Heinemann, und Hasselkuß 2022; Liegmann et al. 2022).

Es zeigt sich, dass die verschiedenartig angelegten Perspektiven der Kooperationspartner in ihrer Differenz nicht automatisch konvergieren und zu einem gemeinsamen Ergebnis führen, sondern eine erfolgreiche Zusammenarbeit – so sie überhaupt möglich wird – an spezifische Voraussetzungen gebunden ist, wie z. B. geteilte Problemdefinitionen, transparente Rollenverteilungen, tragfähige Beziehungskulturen sowie strukturelle Ressourcen. Hindernisse entstehen häufig dort, wo diese Voraussetzungen nicht gegeben sind – sei es durch verschiedene Erwartungen, Zielsetzungen oder fehlende Feedbackschleifen zwischen den Feldern. Vor diesem Hintergrund liegt das Erkenntnisinteresse des Themenhefts auch auf der Frage, wie Strukturen geschaffen werden können, die eine breite Anschlussfähigkeit in ko-konstruktiver Zusammenarbeit und nachhaltigen Transfer fördern (z. B. Hartmann und Kunter 2022; Gorard, See, und Siddiqui 2020).

Das Themenheft zielt darauf ab, konzeptionelle und empirische Ansätze aufzuzeigen, vorliegende Arbeiten einzuordnen und kritisch zu reflektieren. Es geht um die Praktiken des (Nicht-)Gelingens im Zusammenwirken von Bildungsforschung und -praxis in Digitalisierungsvorhaben. Dazu sind auch methodologische Überlegungen, Übersichtsarbeiten oder Fallstudien als Beiträge eingeladen.

Einreichung und Begutachtung

Im Themenheft werden Beiträge publiziert, die Prozesse des Zusammenwirkens von Bildungsforschung, -praxis und anderen beteiligten Akteuren an Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit Praxisbezug – in Digitalisierungsvorhaben – in den Blick nehmen und die dabei gewonnen Erkenntnisse über das Gelingen und das Scheitern von Handlungspraktiken mitteilen.

Wir laden interessierte Wissenschaftler:innen ein, sich ggfs. gemeinsam mit Praxispartner:innen mit einem Beitrag im Themenheft zu beteiligen.

Einreichungen sind für zwei Beitragsformate möglich:

Langbeiträge (max. 40.000 Zeichen, https://www.medienpaed.com/about/submissions) als empirische oder konzeptionelle Beiträge zum Zusammenwirken zwischen Bildungsforschung und -praxis im Kontext von digitaler Bildung. Die Beiträge sollen die Implikationen der Digitalisierung in der Bildung im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteurskonstellationen sowie deren Kommunikations- bzw. Kooperationsformen adressieren: Theoretische Einreichungen sollen grundlegende Überlegungen zum Zusammenwirken von Bildungsforschung und Bildungspraxis systematisch und fundiert ausarbeiten. Empirische Beiträge sollen im Aufbau der üblichen Logik sozialwissenschaftlicher Forschungsarbeiten folgen.

Wir bitten um Langbeiträge, die die folgenden Punkte beinhalten:

  • Perspektive des Beitrags (konzeptionell, theoretisch, empirisch)
  • Fokussierte Akteurskonstellationen
  • Beleuchtete Formen der Kooperation oder Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren (Ausgestaltung, Reflektion dieser Formate)
  • Bedingungen, Herausforderungen oder Spannungsfelder des Gelingens bzw. Scheiterns des Zusammenwirkens
  • Implikationen für zukünftige Kooperationsformen und Transferprozesse im Feld der digitalen Bildung
  • Weiterführende Fragen, Desiderate oder Forschungsbedarfe, die sich aus dem Beitrag ableiten lassen.

Diese Inhalte dienen zur Orientierung und stellen keine formale Gliederungsvorgabe dar.

Kurzbeiträge aus Forschungsprojekten mit Praxisbezug (max. 25.000 Zeichen; weitere Formalia unter https://www.medienpaed.com/about/submissions) beschreiben ihren Ansatz und ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit vor dem Hintergrund des Stands der Forschung. Sie reflektieren die Anlage ihrer Vorhaben, berichten über Erfahrungen bzw. beschreiben (Nicht-)Gelingensbedingungen aus Forschungsprojekten mit Praxisbezug, in denen systemübergreifende Ko-Konstruktion und Wissensgenerierung (z. B. in Form gemeinsamer Toolentwicklungen) realisiert wurden.

Wir bitten um Kurzbeiträge, die folgende Punkte beinhalten:

  • Beschreibung und Anliegen des Projekts und der beteiligten Akteure
  • Einordnung in den Stand der Forschung | Erfahrung aus anderen Projekten | Kontexte
  • Erläuterung des Vorgehens, der Projektorganisation, der Arbeitsschritte, der Verantwortlichkeiten im Projekt
  • Praktiken des Zusammenwirkens: Darstellung der Erfahrungen zu Wissenskommunikation, Ko-Konstruktion, Transfer oder anderen Formen des Zusammenwirkens
  • Resümee: Welche Erfahrungen können bezüglich des Gelingens und Scheiterns von verschiedenen Formaten im Zusammenwirken berichtet werden? Welche Forschungsfragen ergeben sich?

Diese Inhalte dienen zur Orientierung und stellen keine formale Gliederungsvorgabe dar.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Transparenz ermutigen wir alle Forschenden, die Prinzipien von Open Science (Christ, Birnbaum, und Kröner, 2025) zu verfolgen und mit der Einreichung Forschungs- und Metadaten sowie Codes zur Verfügung zu stellen.

Einreichung

Wir bitten interessierte Autor:innen um die Zusendung eines Abstracts (max. 400 Wörter exkl. Literaturangaben) mit Angaben von 3-5 Stichworten für den geplanten Beitrag bis zum 13. Juli 2025 über die Plattform der Zeitschrift MedienPädagogik: https://www.medienpaed.com/about/submissions. Die nach Sichtung der Abstracts angefragten Autor:innen werden gebeten, ihre Volltexte bis zum 15. Januar 2026 einzureichen.

Beiträge sind auf Deutsch oder Englisch möglich. Beachten Sie die Hinweise zur Manuskripteingabe. Bei den eingereichten Texten muss es sich um Originalbeiträge beziehungsweise Erstveröffentlichungen handeln. Ein Abstract von 150–200 Wörtern fasst die zentralen Aussagen und Ergebnisse kurz zusammen. Sowohl Titel als auch Abstract des Beitrags müssen in deutscher und englischer Sprache vorliegen. Die Rechte bleiben bei den Autor:innen (CC-BY 4.0 intl.).

Die Beiträge werden durch ein Double-Blind Peer-Review begutachtet.

Herausgebende Literatur

Bettinger, Patrick, und Benjamin Jörissen. 2022. «Medienbildung». In Handbuch Medienpädagogik, herausgegeben von Uwe Sander, Friederike von Gross, und Kai-Uwe Hugger, 81–93. Wiesbaden: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-23578-9_10.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). 2018. Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung. Bielefeld: wbv media.

Christ, Alexander, Lisa Birnbaum, und Stephan Kröner. 2025. «Kriterien zur Sicherstellung der Reproduzierbarkeit quantitativ-empirischer Studien: Empfehlungen und Positivbeispiele». Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. https://doi.org/10.1007/s11618-025-01301-7.

Cooper, Amanda. 2014. «Knowledge mobilisation in education across Canada: A cross-case analysis of 44 research brokering organisations». Evidence & Policy 10 (1): 29–59. https://doi.org/10.1332/174426413X662806.

Cooper, Amanda, Stephen MacGregor, und Samantha Shewchuk. 2021. «A research model to study research-practice partnerships in education». Journal of Professional Capital and Community 6 (1): 44–63. https://doi.org/10.1108/JPCC-11-2019-0031.

Endberg, Manuela, Anna Heinemann, Marco Hasselkuß, und Lisa Gageik. 2022. «Editorial: Schulentwicklungsprozesse für Bildung in der digitalen Welt. Akteurskonstellationen, Kommunikationswege und Kooperationsstrukturen». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 49. https://doi.org/10.21240/mpaed/49/2022.11.14.X.

Farley-Ripple, Elizabeth, Henry May, Allison Karpyn, Katherine Tilley, und Kalyn McDonough. 2018. «Rethinking Connections Between Research and Practice in Education: A Conceptual Framework». Educational Researcher 47 (4): 235–245. https://doi.org/10.3102/0013189x18761042.

Ghadiri-Mohajerzad, Hadjar, und Josef Schrader. 2024. Wissenstransfer im Bildungsbereich: Konzepte, Erfahrungen und Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-45460-9.

Gorard, Stephen, Beng Huat See, und Nadia Siddiqui. 2020. «What is the evidence on the best way to get evidence into use in education?». Review Of Education 8 (2): 570–610. https://doi.org/10.1002/rev3.3200.

Hartmann, Ulrike, und Mareike Kunter. 2022. «Mehr Praxis in der Bildungsforschung? Eine Studie zu Praxisperspektiven in Forschungsprojekten». Bildungsforschung 2: 1–24. https://doi.org/10.25656/01:25469.

Jörissen, Benjamin, Stephan Kröner, Lisa Birnbaum, Franz Krämer, und Friederike Schmiedl. 2023. Digitalisierung in der kulturellen Bildung. Interdisziplinäre Perspektiven für ein Feld im Aufbruch. München: kopaed. https://doi.org/10.25656/01:26963.

Kerres, Michael. 2022. «Mediendidaktik». In Handbuch Medienpädagogik, 105–114. Wiesbaden: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-23578-9_12.

Kerres, Michael, Pia Sander, und Bettina Waffner. 2022. «Zum Zusammenwirken von Bildungsforschung und Bildungspraxis: Gestaltungsorientierte Bildungsforschung als Ko-Konstruktion». Bildungsforschung (2): 1–20. https://doi.org/10.25656/01:25457.

Liegmann, Anke Barbara, René Breiwe, Jessica Bau, Britta Ervens, Marion Schwehr, und Kathrin Racherbäumer. 2022. «Wissenschaft-Praxis-Kooperation in der spätmodernen Gesellschaft: Kritische Perspektiven auf Kooperationsstrukturen in Research Learning Communities». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 49: 229–249. https://doi.org/10.21240/mpaed/49/2022.06.30.X.

Macgilchrist, Felicitas, Juliane Jarke, Heidrun Allert, und Teresa Cerratto Pargman. 2024. «Design Beyond Design Thinking: Designing Postdigital Futures when Weaving Worlds with Others». Postdigital Science and Education 6 (1): 1–12. https://doi.org/10.1007/s42438-023-00447-z.

OECD. 2022. Who Cares about Using Education Research in Policy and Practice?: Strengthening Research Engagement, Educational Research and Innovation. Paris: OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/d7ff793d-en.

Von Grünberg, Hans-Hennig, und Lütje Lange. 2025. «On the Divergence of Function and Service: Knowledge and Technology Transfer Understood as the Service Processes of the Science System». Journal Of The Knowledge Economy. https://doi.org/10.1007/s13132-025-02646-4.