Abstract
Bildung und Bildungstheorie werden häufig aus einer antwort- bzw. lösungszentrierten Perspektive betrachtet. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie Bildung konzipiert werden muss, um auf gesellschaftliche Herausforderungen angemessen reagieren zu können. Die klassische Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts stellt dabei oft den Ausgangspunkt dar, um Bildungsprozesse als Transformationen von Selbst- und Weltverhältnissen zu beschreiben. Im Rückgriff auf Texte von Heinz-Joachim Heydorn und Alfred Schäfer zum «Bildungsproblem» zeichnet der vorliegende Beitrag demgegenüber eine frage- und problemzentrierte Perspektive auf Bildung nach. Dabei wird deutlich, dass Humboldts Bildungstheorie um zwei zentrale Motive kreist: um die Möglichkeiten einer vernünftigen Gestaltung des Selbst-Welt-Verhältnisses und des gestaltenden Menschen als Subjekt und Individuum. Anhand von Analysen der (post-)digitalen Kultur im Informationalismus und der Kritik posthumanistischer Ansätze wird gezeigt, dass diese beiden Problemstellungen nach wie vor aktuell sind und dass es deshalb darum geht, das «Bildungsproblem» vor diesem Hintergrund nicht zu ‹lösen›, sondern neu zu formulieren.
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