1. Digitale Desinformation und Rechtsextremismus
Der wissenschaftliche Diskurs über sowie die öffentliche Wahrnehmung von Desinformationsstrategien haben sich in den letzten Jahren stark intensiviert. Spätestens seit Donald Trump, dem gezielten Einsatz russischer Einflusskampagnen in westlichen Demokratien oder der algorithmischen Eskalation konflikthafter Narrative in Kriegsgebieten – von der Ukraine über den Nahen Osten bis hin zu regionalen Auseinandersetzungen etwa zwischen Pakistan und Indien – ist die Desinformation als globale Herausforderung sichtbar geworden. Dabei ist das Phänomen keineswegs neu. Es sind aber u. a. Reichweite, Geschwindigkeit und Struktur digitaler Öffentlichkeiten, die gezielte Desinformation zu einem machtvollen Instrument im Spannungsfeld zwischen demokratischer Meinungsbildung und antidemokratischer Einflussnahme gemacht haben. Das Themenheft versteht sich in diesem Kontext als eine wissenschaftlich fundierte Momentaufnahme, die sich exemplarisch mit Phänomenen digitaler Desinformation, insbesondere aus dem rechtsextremen Spektrum in Deutschland, beschäftigt. Es versammelt empirisch und theoretisch fundierte Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven, die aktuelle Entwicklungen analysieren und Impulse für eine kritische (medienpädagogische) Bildungsarbeit setzen.
Spätestens seit dem Potsdamer Treffen im November 2023, an dem eben nicht nur Szenemitglieder der Neuen Rechten teilnahmen wie z. B. Akteur:innen der Identitären Bewegung und hochrangige AfD-Politiker:innen, sondern auch solche, die sich selbst als bürgerlich und rechtskonservativ verorten würden, ist das Phänomen Rechtsextremismus und seine Unvereinbarkeit mit der Demokratie im öffentlichen Diskurs präsent(er). Die in Potsdam geäußerten Deportationsfantasmen beruhen auf Ethnopluralismus, Rassismus und Chauvinismus. Sie sind allerdings nicht neu: Bereits die ersten Internetkampagnen von Neonazis ab 2012 und spätere der Identitären Bewegung propagierten solche menschenverachtenden politischen Ideen (Amadeu Antonio Stiftung 2023, 27). Die rassistisch motivierten Pläne zur Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland unter dem Schlagwort «Remigration» markieren nun aber eklatant sichtbar den Rechtsextremismus in der AfD und unter ihren potenziellen Unterstützer:innen. Zudem zeigen Studien über die letzten Jahre ein konstantes Bild:
«Radikalisierung ist kein Problem der jeweils anderen, wie der ohnehin Rechtsextremen, der Jungen, der weniger Gebildeten, der Abgehängten, der prekären Schicht, sondern der Mitte der Gesellschaft»
(Küpper et al. 2023, 131)
Auch in wissenschaftlichen Zeitdiagnosen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass weltanschauliche antidemokratische Gegenbewegungen in jüngerer Zeit an Wirkkraft gewonnen haben, weshalb eine intensive Analyse u. a. in Wissenschaft, Öffentlichkeit und politischer Bildung unerlässlich ist (Birsl und Virchow 2022, 46–47). Für das vorliegende Themenheft stehen daher Phänomene des Rechtsextremismus im Fokus der Betrachtung.
Für sozialwissenschaftliche und medienpädagogische Analysen erscheinen uns statische Definitionen von Rechtsextremismus entlang der Extremismustheorie (meist als Hufeisen in den Diskurs eingebracht) ungeeignet, weil Phänomene wie Rassismus, Abwertung von Asylbewerber:innen, Muslim:innen oder von Menschen, die sich der LGBTQIA+-Community zuordnen, verdeckt oder zu einer unübersichtlichen Gemengelage subsumiert werden. Stattdessen wird Rechtsextremismus in diesem Themenheft als dynamisch verstanden: Diese Definition geht vom Ideal einer pluralistischen und liberalen Demokratie aus. Als extremistisch gelten demnach Personen, Bewegungen oder Parteien, die den Vorrang des Individuums im demokratischen Pluralismus ablehnen, einer kollektiven Homogenitätsvorstellung das Wort reden und die Ungleichheit der Menschen behaupten (Salzborn und Quent 2019, 18). Projektives Denken in Form des Antisemitismus, als rassistische Diskriminierung oder als Verschwörungsdenken bildet den Kern rechtsextremer Phänomene (Dilling et al. 2023, 169).
Die Neue Rechte ist eine zentrale rechte Strömung mit diversen Akteur:innen und Denkfabriken, z. B. die Aktivist:innen der Identitären Bewegung (IB), das Kampagnennetzwerk Ein Prozent, die Menschenpark Veranstaltungs UG und Metapolitik Verlags UG (ehemals Institut für Staatspolitik) und im parlamentarischen Betrieb die Partei Alternative für Deutschland (AfD). Zudem agitieren neurechte Plattformbetreiber:innen und Verleger:innen mit eigenen Publikationen (z. B. COMPACT-Magazin), alternativen Nachrichtenmedien (z. B. journalistenwatch.com), Dating-Angeboten (z. B. WhiteDate) und extremistischen Online-Games (z. B. Heimat Defender: Rebellion). Diese dienen sowohl der Verzerrung und Dekontextualisierung aktueller Ereignisse ganz im Sinne ihres ideologisch geprägten Weltbilds als auch der Stärkung von Gruppenkohäsion (Rothut et al. 2022, 36). Solche neurechten alternativen Medien lehnen bewusst journalistische Qualitätsstandards wie Richtigkeit, Sachlichkeit und Ausgewogenheit ab und intendieren, durch gezielte Lenkung der Willens- und Meinungsbildung Radikalisierungsprozesse bei Rezipient:innen zu initiieren (Heil 2023, 17). Dazu zählen Angriffe auf politische Gegner:innen und Menschen, die dem eigenen Feindbild entsprechen, sowie die Einführung eigener Frames und Narrative in den öffentlichen Diskurs (Rau 2024). Die Produktion von Fake News lässt sich in diesem Zusammenhang als zentrales Instrument verstehen (Ahlborn und Verständig 2024, 187–188).
Die skizzierten Strategien eines postfaktischen Pseudojournalismus alternativer Medien, die intendierte Verzerrung aktueller Ereignisse sowie die absichtliche Verbreitung von Falschinformationen lassen sich unter dem Begriff der «Desinformation» bündeln (Möller et al. 2020). In einem engen Verständnis kann der Begriff als «wissentliche Kommunikation empirisch falscher Informationen» (Zimmermann und Kohring 2018, 527) verstanden werden, die zu neuen und relevanten Themenstellungen und Sachverhalten «mit dem Anspruch auf Wahrheit formatiert werden» (ebd.). Im politischen Diskurs wird hingegen ein weiter gefasstes Begriffsverständnis verwendet, das die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen mit der Absicht umfasst, bestimmten (Gruppen von) Menschen zu schaden (z. B. EU 2020). Im Rahmen des Themenheftes verstehen wir Desinformation in Anlehnung an Möller et al. (2020, 12) als Phänomen auf einem Kontinuum zwischen den zwei Dimensionen «Faktizität» und «Intention». Diese Dimensionen spannen einen Raum auf, der verschiedene Typen von Desinformation umfasst. Möller et al. (2020) unterscheiden in ihrem Gutachten u. a. «bewusste Falschinformation» (21–23), «manipulative (politische) Werbung» (24–26), «unauthentischer und irreführender Pseudojournalismus» (26–30) sowie «Propaganda» (30–32). Diese Formen sind jeweils mit spezifischen Risiken für Bürger:innen, die Gesellschaft und demokratische Prozesse verbunden. Die Dekonstruktion digitaler Desinformationsstrategien bildet den übergeordneten Rahmen dieses Themenheftes.
Mit ihren auf den ersten Blick oftmals nicht zu erkennenden menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Botschaften sprechen Neue Rechte junge Menschen im digitalen Media-Mix über Messenger-Dienste, Videoplattformen und Soziale Netzwerke an, um sie für ihre Gruppierung und deren Aktivitäten zu gewinnen (Yavuz und Frankenberger 2017, 54). In den letzten Jahren haben sich u. a. die Videoplattform BitChute, die Imageboards 4Chan und 8kun als favorisierte Strukturen herausgebildet (Schulze et al. 2022a). Darüber hinaus werden nicht nur szenespezifische Kanäle verwendet, sondern gerade im Mainstream häufig genutzte Dienste wie TikTok und Instagram (Bauer und Rösch 2023; Franke und Hajok 2023), Telegram (Müller 2022; Schulze et al. 2022b) und YouTube (Reinke de Buitrago 2022, Rau und Klenk 2024). Die sozialen Medien ermöglichen einerseits eine kostengünstige Umsetzung von Desinformationskampagnen, andererseits lassen sich mit Bot-Detektoren, Faktencheckern und anderen Skripten Gegenbewegungen beobachten. Die sozialen Medien sind damit nicht nur Bühne des Protests, sie werden zugleich selbst zu einem Gegenstand der Betrachtung und somit auch ein Aushandlungsort (Ahlborn und Verständig 2024, 183).
Durch die Verlagerung digitaler Kommunikationsräume inkl. sozialer Medien ergeben sich neue Gelegenheitsstrukturen für Rechtsextremist:innen, gleichzeitig bieten sich dadurch aber auch neue Handlungsoptionen für Akteur:innen der Prävention (Frischlich et al. 2022, 44). Für die Medienpädagogik wird auf Basis der bisher skizzierten Ausführungen in Ansätzen sichtbar, dass die Förderung von Medienkompetenz in praktischer und theoretischer Sicht mehr umfassen muss als die instrumentelle Fertigkeit, Medien zu bedienen und zu gestalten. So formuliert Dander (2024) folgendes Plädoyer:
«Würden kontingente Setzungen über Menschenwürde und Gleichheit aller Menschen oder Demokratie in einem höheren Stabilitätsgrad und explizit als Setzungen (medien-)bildungstheoretisch konventionalisiert, erhielte Medienbildung stärker als bisher eine Kontur als Politische Medienbildung für ein demokratisches Zusammenleben»
(Dander 2024, 170)
Das Themenheft, das im Rahmen des Projekts «Zukunftsdiskurse zur Dekonstruktion von Desinformationsstrategien in einer digital geprägten Welt» an der Universität Vechta entstanden ist, greift diese Herausforderungen auf. Es widmet sich der vertieften Analyse zentraler Erscheinungsformen digitaler Desinformation und rechtsextremer Kommunikationsstrategien. Im Zentrum stehen wissenschaftlich fundierte Perspektiven, die bestehende Diskurse systematisieren, empirische Befunde einordnen und konkrete medienpädagogische Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Die Beiträge dieses Heftes sind im Kontext eines interdisziplinären Tagungs- und Forschungsprozesses entstanden und lassen sich in drei thematische Schwerpunkte gliedern, die im Folgenden vorgestellt werden.
2. Beiträge
Einen zentralen Impuls für die hier versammelten Arbeiten lieferte die hybride Fachtagung «Dekonstruktion digitaler Desinformationsstrategien. Phänomene des Rechtsextremismus», die am 7. Februar 2023 an der Universität Vechta stattfand. Im Zentrum stand die Frage, wie sich digitale Desinformationskampagnen auf demokratische Öffentlichkeiten auswirken, welche ideologischen und technischen Dynamiken ihnen zugrunde liegen – und wie eine reflexive, bildungstheoretisch fundierte Auseinandersetzung gestaltet werden kann. Die Tagung verstand sich als interdisziplinäres Forum für Wissenschaft, pädagogische Praxis und Zivilgesellschaft mit dem Ziel, aktuelle Forschungserkenntnisse in den gesellschaftlichen Diskurs einzuspeisen und für Bildungsprozesse nutzbar zu machen. Auf Grundlage der Tagungsbeiträge sowie eines offenen Calls for Papers sind zehn wissenschaftliche Artikel entstanden. Alle Beiträge wurden einem zweistufigen Qualitätssicherungsverfahren unterzogen – bestehend aus einem Herausgeber-Review sowie einem offenen Peer-Review unter den Autor:innen. Das Ergebnis ist ein interdisziplinäres Spektrum an Perspektiven aus Medienpädagogik, Soziologie, Kriminologie, Bildungs- und Politikwissenschaft, das sich in drei thematischen Clustern strukturieren lässt.
2.1 Diskurse, Kompetenzen und kreative Praktiken im Umgang mit Desinformation
Die Beiträge dieses ersten Clusters setzen sich mit grundlegenden Voraussetzungen, theoretischen Zugängen und praxisorientierten Ansätzen zur Dekonstruktion digitaler Desinformation auseinander. Im Zentrum stehen dabei wissenschaftlich fundierte Systematisierungen bestehender Diskurse, konzeptionelle Modellbildungen zu medienpädagogisch relevanten Kompetenzen sowie kreative Datenpraktiken im Kontext digitaler Öffentlichkeiten. Sie tragen damit grundlegend zur Weiterentwicklung medienpädagogischer Reflexionen und Strategien im Umgang mit digitalen Desinformationsphänomenen bei.
Jolika Schulte, Lisa Musial und Franco Rau (2025) präsentieren erste Ergebnisse einer systematischen Analyse aktueller Diskurse über digitale Desinformationsstrategien aus dem rechtsextremen Spektrum. Auf Grundlage von 28 Fachartikeln werden mithilfe einer dreidimensionalen Heuristik – Produzent:innen, digitale Infrastruktur und Adressat:innen – zentrale Themen der Debatte identifiziert. Deutlich werden Spannungsfelder zwischen den Strategien extremistischer Akteur:innen, der Verantwortung von Plattformen sowie den Herausforderungen für politische Bildung und Prävention.
Anna Soßdorf, Carolin Stein, Isabel Bezzaoui und Jonas Fegert (2024) befassen sich mit der Frage, welche digitalen Kompetenzen für den Umgang mit Desinformation in sozialen Medien erforderlich sind und wie diese im (medien)pädagogischen Diskurs verankert werden können. Ausgehend von einer Analyse der digitalen Kultur und der aktuellen Kompetenzdebatte schlagen sie eine synergetische Verknüpfung von kritischer Medien- und Datenkompetenz vor. Im Zentrum steht das «Synergistic Literacy Model against Disinformation», das Lernangebote, digitale Infrastrukturen und demokratische Resilienz systematisch zusammendenkt.
Juliane Ahlborn, Dan Verständig und Philip Karsch (2024) schlagen einen medienpädagogischen Ansatz zur aktiven Dekonstruktion von Desinformation vor, der über das reine Erkennen hinausgeht. Im Zentrum steht die kreative Gestaltung und Reflexion von Narrativen und Weltbildern. Ausgehend von einer theoriegeleiteten Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit, Desinformation und digitalen Technologien werden am Beispiel von Datenvisualisierungen konkrete Datenpraktiken vorgestellt, die das Erkennen, Gestalten und Dekonstruieren aus medienpädagogischer Perspektive fördern.
2.2 Exemplarische rechtsextreme Kommunikationsstrategien im digitalen Raum und medienpädagogische Herausforderungen
Die Beiträge dieses Clusters widmen sich konkreten Beispielen rechtsextremer und rechtspopulistischer Kommunikationsstrategien in digitalen Öffentlichkeiten. Sie analysieren, wie unterschiedliche Medienformate – von Computerspielen über soziale Netzwerke bis hin zu internationalen Desinformationskampagnen – zur Verbreitung antidemokratischer Ideologien genutzt werden. Gleichzeitig formulieren sie medienpädagogische Ansätze, um diesen Strategien reflexiv und aufklärend zu begegnen.
Benjamin Möbus (2024) untersucht das Computerspiel Heimat Defender: Rebellion, das im Kontext der Identitären Bewegung gezielt zur Verbreitung rechtsextremer Ideologie eingesetzt wird. Im Zentrum der Analyse stehen die Darstellung intradiegetischer Feindbilder sowie deren ideologische Funktion. Aus der Perspektive der Rechtsextremismusforschung und der Game Studies zeigt der Beitrag, wie politische, mediale und wirtschaftliche Eliten im Spiel diskursiv als gemeinsame Gegner einer vermeintlich homogenen Bevölkerung inszeniert werden.
Maren Tribukait und Johann Trupp (2024) analysieren die Verflechtungen zwischen Kreml-nahen russischen Akteur:innen und deutschen Rechtsextremen im Kontext digitaler Desinformationskampagnen, insbesondere im Vorfeld der Bundestagswahl 2021. Anhand des Konzepts des politischen Feldes (Bourdieu) zeigen sie, wie durch mediale Sichtbarkeiten politisches Kapital mobilisiert wird – und leiten daraus Konsequenzen für eine medienpolitisch und bildungsbezogen fundierte Medienbildung ab.
Oliver Klawitter (2025) analysiert TikTok-Kurzvideos des rechtskonservativen Portals NIUS und zeigt auf, wie rechtspopulistische Positionen über emotionalisierende, desinformative und diskriminierende Inhalte verbreitet werden. Die Beiträge des Portals bedienen sich anti-elitärer Narrative, schüren Sicherheitsängste und propagieren homogene Gemeinschaftsvorstellungen. Neben der Analyse entwickelt der Beitrag didaktische Überlegungen zur Sensibilisierung für Desinformation und zur Förderung von Kritikfähigkeit.
2.3 Digitale Radikalisierungsdynamiken und pädagogische Präventions- und Interventionspotenziale
Die Beiträge dieses Clusters untersuchen insbesondere Radikalisierungsprozesse im digitalen Raum, analysieren deren Ursachen und Ausdrucksformen und leiten pädagogische Perspektiven für Prävention, Intervention und Bildungspraxis ab. Im Zentrum stehen sowohl empirisch fundierte Einblicke in digitale Einflussfaktoren auf rechtsextreme und islamistische Radikalisierung als auch Ansätze zur Stärkung demokratischer Kompetenzen und kritischer Medienbildung.
Carl Philipp Schröder, Laura-Romina Goede, Lena Lehmann und Thomas Bliesener (2024) widmen sich der Frage, welche spezifischen Online-Aktivitäten Jugendlicher mit rechtsextremen Einstellungen in Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse einer quantitativen Schüler:innenbefragung (N = 6.715) zeigen insbesondere bei Jungen Zusammenhänge zwischen rechtsextremen Einstellungen und dem Konsum politischer Internetseiten, während andere digitale Aktivitäten geringere Korrelationen aufweisen.
Jana Schneider und Josephine B. Schmitt (2025) untersuchen in einer Online-Intervention, welche Faktoren der demokratiegefährdenden Wirkung von Verschwörungserzählungen entgegenwirken können. Aufbauend auf Literatur zu Desinformation und politischer Partizipation testen sie zwei Ansätze: die Förderung politischer Selbstwirksamkeit und die Vermittlung von Wissen über Mechanismen von Verschwörungsmythen.
Margit Stein, Eike Bösing, Mehmet Kart und Yannick von Lautz (2024) analysieren islamistische Radikalisierungsprozesse im Kontext hybrider Sozialräume. Anhand narrativer Fallinterviews mit Fachkräften sowie einer ehemals radikalisierten Person zeigen sie, wie islamistische Akteur:innen digitale Medien – etwa Messenger-Dienste und Videokanäle – gezielt zur Ansprache junger Menschen nutzen. Der Beitrag hebt hervor, welche Anforderungen sich daraus für die Beratung, Begleitung und digitale Prävention ergeben, insbesondere im Hinblick auf kritische Medienkompetenz und niedrigschwellige Angebote.
Lisa Düsterberg, Wiebke Regina Giesenberg und Lena Kolde (2025) thematisieren universelle Rechtsextremismusprävention in der Grundschule. Auf Basis qualitativer Expert:inneninterviews und aktueller Fachliteratur zeigen sie anhand einer integrativen Auswertung dreier Masterarbeiten, wie frühzeitige Sensibilisierung für Demokratie, Toleranz und Empathie gelingen kann. Die Grundschule wird dabei als bedeutendes Setting präventiver Bildungsarbeit im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe verstanden.
